Licht und Schatten in der Krise

Kerzenfabrik von Corona-Krise hart getroffen – "Cocooning" macht sich positiv bemerkbar

Rote Kerzen zu Weihnachten sind ein Klassiker und erfreuen sich laut Firmenchef Alexander Kopschitz auch heuer großer Beliebtheit. Im Werksverkauf auf dem Firmengelände des Kerzenherstellers finden Kunden eine große Auswahl an Zier- und Standardkerzen.

Eine brennende Kerze − sie gibt Hoffnung und macht Mut. Mit ihrem leuchtenden Schein und warmen Licht erhellt sie die Seele in schwierigen Zeiten. Die Nachfrage nach hochwertigen Kerzen ist besonders jetzt in der Vorweihnachtszeit ungebrochen hoch. Doch der schöne Schein trügt, denn die Corona-Krise hat auch Kerzenhersteller wie die Firma Kopschitz aus Rotthalmünster nicht verschont.

"Der Lockdown im März und April hat uns wirklich wehgetan", sagt Geschäftsführer Dr. Alexander Kopschitz. Durch die geschlossenen Geschäfte und leeren Kirchen an Ostern brachen dem Traditionsunternehmen große Teile seines Absatzmarkts einfach weg. Die Folge: Umsatzeinbußen um die 60 Prozent. Diese hofft der Firmenchef mit dem Weihnachtsgeschäft etwas wettmachen zu können.

Im Sommer wird für Weihnachten produziert

"Auch wenn der Oktober und November gut gelaufen sind, fast noch etwas besser als in den vergangenen Jahren, es ist schwierig, die Verluste wieder aufzuholen", sagt der Geschäftsführer. Produziert werden die Kerzen für den Adventskranz bereits in den Sommermonaten. "Die Produktionsmonate sind von Juli bis Oktober. Verkauft werden die Kerzen für Weihnachten dann vor allem vor dem ersten Advent", erzählt der Firmenchef. Jetzt, im Dezember, denken die Mitarbeiter schon wieder an das Osterfest. Die Produktion dafür beginnt bereits im Januar.

Hauptbestandteil der Kerzen aus Rotthalmünster ist der Rohstoff Paraffin, ein Wachs, das bei der Schmierölproduktion anfällt. "Wir arbeiten auf zehn Produktionslinien. Daraus ergibt sich eine stündliche Kapazität von rund 35000 Kerzen, das entspricht etwa 300000 Kerzen am Tag", betont Alexander Kopschitz. Das Produktsortiment reicht von kleinen Stumpen- über Kugelkerzen bis zu den hohen dünnen Altarkerzen. Hautabsatzmärkte der Firma, die 40 Prozent ihrer Ware ins Ausland exportiert, sind der Einzelhandel, Möbelhäuser, Gartencenter und Lebensmittelhändler, die auch Produkte des sogenannten Non-Food-Bereichs vertreiben. "Wer zum Beispiel einen Adventskranz bei einem Discounter kauft, hat ziemlich sicher Kerzen aus Rotthalmünster im Wohnzimmer stehen", sagt Kopschitz.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1810 im Sudetenland, im heutigen Tschechien. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Erich Kopschitz als Kriegsvertriebener durch einen Zufall nach Rotthalmünster und baute sich dort seine Existenz von Neuem auf. Seit 2013 wird das Unternehmen, das auch einen Produktionsstandort in der Tschechischen Republik hat, gemeinschaftlich von dessen Enkeln, den Brüdern Alexander und Christian Kopschitz, geleitet. Insgesamt 86 Mitarbeiter sind mittlerweile in der Kerzenfabrik in Rotthalmünster angestellt.

Auch wenn die Traditionsfirma heuer mit enormen Absatzproblemen zu kämpfen hat, so machte der Monat November dem Firmenchef trotz allem etwas Mut. "Ich denke, die Tatsache, dass sich gerade jetzt viele in ihre vier Wände zurückziehen und es sich dort schön machen, könnte ein Grund dafür sein, dass dieser Monat für uns gut gelaufen ist", sagt Alexander Kopschitz. "Cocooning" nennt man den Trend, der mit der Corona-Krise ein wahres Comeback erlebt und bei dem Menschen wieder mehr in die häusliche Gemütlichkeit investieren. Und Kerzen tragen eben besonders zu einer heimeligen Atmosphäre bei.

"Menschen sehnen sich nach etwas Wärme"

"In diesen turbulenten Zeiten sehnen sich die Menschen nach etwas Wärme. Das Licht der Kerze begleitet sie in der dunklen und unsicheren Zeit", sagt Kopschitz. Für ihn sei die Kerze ein Wellnessprodukt, das dazu beitragen kann, dass man nach einem langen, anstrengenden Tag wieder zur Ruhe kommt. Warum das echte Kerzenlicht trotz der Konkurrenz durch die LED-Kerze nicht an Beliebtheit verliert, weiß der Firmenchef: "Elektrisches Licht kann die Stimmung, die eine Kerze erzeugt, nicht ersetzen. Denn künstliches Licht kann die Seele nicht berühren."

Bei Alexander Kopschitz zu Hause brennen heuer graue Kerzen auf dem Adventskranz. Diese Farbe war bei den Kunden in den vergangenen Jahren besonders beliebt und ist laut dem Geschäftsführer nach wie vor gefragt. "Die Trendfarben bei den Kerzen orientieren sich an der Mode. Diese wiederum beeinflusst das Interieur und darauf abgestimmt sind schlussendlich auch die Kerzen", erklärt Kopschitz. Eine besonders ausgefallene Kombination, die heuer gerne gekauft wird, sind Kerzenmodelle in Schwarz und Gold. Nicht aus der "Mode" kommen dagegen die klassischen roten Kerzen, die zur Weihnachtszeit gern gekauft werden.

Dass das Weihnachtsgeschäft (etwa zwei Drittel des Jahresumsatzes, werden in der Vorweihnachtszeit generiert) die coronabedingten Ausfälle vom Frühjahr etwas auffangen wird, hofft Firmenchef. Zumindest die Nachfrage der Kirchen für das diesjährige Weihnachtsfest sei bisher sehr konstant gewesen. "Ich denke, die Kerze ist ein Produkt, das bei den Käufern immer noch hoch angesehen ist. Denn das Licht der Kerze gibt Hoffnung, dass der Sturm irgendwann wieder vorbeigeht."

Quelle: Passauer Neue Presse vom 03.12.2020

Foto: Sarah Woipich